Wiederauferstehung: BeOS kehrt als Haiku zurück
mmagis
am 17.09.2009 um 15:08 Uhr
Der Beitrag wurde am 17.09.2009 um 16:05 Uhr geändert.

1995 erschien das seinerzeit revolutionäre OS, das der Hersteller Be vor allem als Media-System positionierte. Man setzte von Anfang an auf die Unterstützung mehrerer Prozessoren, die man in der passenden Hardware - der BeBox - fand. In dieser steckten zwei Power-PC-Prozessoren. Auf der Suche nach einem Nachfolger für das klassische Mac OS bot Gassée dem damaligen Apple-Chef Michael Spindler BeOS an - als Absicherung, falls die Copland-Entwicklung scheitere, was tatsächlich passieren sollte. Weitere Verhandlungen zwischen Apple und Be folgten mit Gil Amelio, der 1996 die Nachfolge von Spindler antrat. Letztlich pokerte Gassée zu hoch, ein Angebot über 125 Millionen US-Dollar lehnte Be ab. Das Unternehmen wurde damals auf einen Wert von 50 Millionen Dollar geschätzt, Be hatte nach Schätzungen bis dato 20 Millionen Dollar investiert.
Das Aus für BeOS besiegelte dann Steve Jobs, der nach seinem "Weggang" bei Apple das Unternehmen Next gegründet hatte. Der Apple-Gründer rief Amelio an, warnte vor BeOS und pries sein NextStep-Betriebssystem als Nachfolger für das technisch hoffnungslos veraltete klassische Mac OS an. Apple kaufte, Jobs kehrte zu Apple zurück und NextStep wurde die Grundlage für Mac OS X. Be überlebte noch bis 2001, die Firma musste Gläubigerschutz beantragen und verkaufte die Entwicklungen an Palm.
Nun lässt das Projekt Haiku BeOS wieder auferstehen, die Open Source-Entwickler streben 100 Prozent Binärkompatibilität an. Mit der Alpha-Version hoffen sie, den Kreis der Tester deutlich zu erweitern.
Bild: Wikipedia
Externe Links:
- Haiku
- Teil-Quelle: Apple - Streng vertraulich (Amazon-Link)
Uhlhorn am 17.09.2009 um 15:12 Uhr
Der Witz ist aber, dass für Apple das BeOS viel zu teuer war, und sie deswegen folgerichtig NeXTStep/OPENSTEP für 400 Millionen einkauften. ;-)
USeyfried am 17.09.2009 um 15:26 Uhr
Geld hat nie ne Rolle gespielt.
apfelkraftch am 17.09.2009 um 15:21 Uhr
Ansich wäre ich damals froh gewesen die hätten BeOS gekauft....denn von denen hatte ich Aktien die dann mal ausgebucht wurden....dazumals hatte ich eben spekuliert das Apple BeOS kauft das zumindest im Grundstein einfach besser war als NeXT...oder sagen wir es war zumindest um einiges schneller bot aber nicht soviele Features, damals fand ich aber Geschwindigkeit weit wichtiger....tja, Apple dachte anders bzw. Steve war der bessere Redner.... ;)
-> uhlhorn
pjdi am 17.09.2009 um 15:31 Uhr
Next hatte aber einen deutlichen Mehrwert:
Next hatte ein stabiles objektorientiertes Betriebssystem und drei wesentliche Technologien:
NextStep ist eine Bibliothek, besser ein Werkzeugkasten für das schnelle, und einfache Erstellen leistungsfähiger Programme. Aus NextStep wurde unter dem MacOS „Cocoa“, das Fundament für alle weiteren Bibliotheken.
Webobjects ist ähnlich wie Cocoa, aber es dient der Erstellung von Webanwendungen. Es ist ein spezialisierter Bruder von Cocoa, der auf das Internet fokussiert. Man sagte, Webobjects ist der einfachste Weg, leistungsfähige Netzwerkdienste aufzubauen. Prominente Beispiele für die Verwendung von WebObjects sind unter anderem das Online-Banking der Deutschen Bank, der Apple Webshop und der Apple iTunes Music Store.
EOF (Enterprise Object Framework) abstrahiert die Interaktion mit einer oder mehreren relationalen Datenbanken unterschiedlicher Hersteller. Dies ist ein großes Problem in der Industrie und EOF war eine solide Lösung.
Um diese Familienjuwelen ging es beim Kauf von Next.
Uhlhorn am 17.09.2009 um 19:37 Uhr
@ pjdi: Ja, das ist mir alles klar, und auch ich denke, dass es die richtige Wahl war. Aber trotzdem entbehr die Situation nicht einer gewissen Komik. ;-)
Warum nutzt Du eigentlich nicht die Artwort-Funktion? Die wurde extra dafür gemacht, damit die Antworten direkt unter Beitrag stehen. ;-)
wurzer am 17.09.2009 um 15:37 Uhr
Ich habe damals BeOS verwendet und hätte wohl vollständig gewechselt, falls BeOS weiter Bestand gehabt hätte. Spannend fand ich das Konzept, nach dem Dokumente, Adressen und Emails gleichermaßen Objekte waren, die mit einer Fülle von Metadaten im File-System hinterlegt werden konnten. Wenn ich richtig liege, basierte das File-System auf einer Datenbank. Das Zusammenspiel der Anwendungen war daher sehr gut. Und natürlich war BeOS unglaublich schnell.
Uhlhorn am 17.09.2009 um 19:37 Uhr
Ist das denn bei Mac OS X anders?
mediavinci
am 18.09.2009 um 00:06 Uhr
Der Beitrag wurde am 18.09.2009 um 00:54 Uhr geändert.
Ich habe das BeOS damals auf einer Messe gesehen und war von dessen Geschwindigkeit einfach nur "blown away". Auf dem Messe-Stand war ein BeOS System zu sehen mit zig offenen Fenstern und Dokumenten, einige rechenintensive Mandelbrot Berechnungen liefen im Hintergrund plus mehrere Videos in separaten offenen Fenstern etc. pp. Und das lief alles derart smoooothy. Da war zwischendurch keine Cursor Uhr zu sehen, da wackelte nix und da ruckelte nix. Einfach elegant. Dachte mir damals nur, also wenn ich das gleiche auf meinem High-End Mac mache, sieht das aber nicht so aus ;)
Schade eigentlich. Hätte mir durchaus ein Arbeiten unter BeOS vorstellen können. Ich fand ebenso das Interface Design & Konzept in dem doch noch sehr frühen Stadium des BeOS damals schon recht beeindruckend. War alles sehr clean, elegant und übersichtlich gestaltet. Allein die netten Icon-Designs auf einem 32x32 Pixelraster fand ich klasse.
Ja, das waren die Zeiten, wo die ersten Multi-Processor Macs rauskamen. Arbeitete damals auf dem High-End Gerät von Apple. Ein PowerMac 9500/180MP oder so ähnlich wenn ich mich recht erinnere. Irrsinnig teuer und zu meiner Entäuschung stürzte mir Photoshop zig Male pro Tag ab, weil das MP (Multi-Prozessor) Photoshop Plug-In damals noch vollkommen buggy war bzw. war Photoshop eigentlich noch garnicht richtig auf eine MP-Architektur ausgelegt. Wurde damals natürlich dem Kunden anders verkauft. War einfach nur grausam und Photoshop galt damals als das Vorzeige-Programm für die Unterstützung der MP-Architektur.
Und neulich saß ich mit einem Kollegen vor einem neuen Intel Super Mac und er zeigte mir ein paar Designs in Illustrator ... ein click und ... color wheel ...
Uhlhorn am 18.09.2009 um 10:52 Uhr
Ja, stimmt. Adobe kann nicht gut programmieren, das ist mir leider auch sehr bekannt. Die brauchen dringend Konkurrenz!
simonsinus am 17.09.2009 um 15:49 Uhr
Liebe Leut, wollt ihr mich verscheissern? Es heisst Copland und nicht Copeland.
mmagis am 17.09.2009 um 16:06 Uhr
Ja, wir hatten es speziell auf dich abgesehen - nun ist das "e" weg. Danke :o)
Jeronimo am 18.09.2009 um 00:09 Uhr
Herrlich, dass sich auch noch andere Leute außer mir wegen unwichtigem Scheiß einen kompletten Herzkasper ärgern können... :-)
... copeland mit "e" war der magier der hihat!
wilhelm62 am 17.09.2009 um 18:18 Uhr
... police drummer und filmkomponist.
... stewart.
electricdawn am 18.09.2009 um 07:36 Uhr
War? Ist mir neu, das der tot sein soll...
electricdawn am 18.09.2009 um 07:40 Uhr
Ich wuerde ja alte Geschichten ruhen lassen. DAMALS war BeOS sehr fortschrittlich, HEUTE wuerde es noch nicht mal ansatzweise an die Funktionsvielfalt von OS-X heran kommen. Geschwindigkeit ist keine Hexerei, wenn man kaum etwas im Hintergrund zu tun hat (im Gegensatz zu z.B. OS-X), oder tun kann.
Das wird leider von den BeOS-Bewunderern immer wieder vergessen.
schmidt9 am 18.09.2009 um 08:43 Uhr
»Apple führte seinerzeit Verhandlungen mit Be und fast wäre das OS der Nachfolger des klassischen Mac OS geworden.« – das wäre es so wahrscheinlich dann doch nicht geworden, denn der NEXT-Deal hatte mehr Potential – zum Glück für die Mac-User, wie wir heute wissen.
Wofür noch ein Nieschen-OS – wer steckt denn da noch Geld und Ressourcen für ein paar tausend User rein? Vielfalt tut gut, aber ob es so sinnvoll ist, an einem OS zu arbeiten, daß vor 10 Jahren (und schon früher) als fortschrittlich galt und lange sich kaum entwickelt hat?




